Jede überschwere Anklage ist ein Übel. Sie erweckt nicht Reue, sondern Empörung Sie führt durch ihre Maßlosigkeit zu einer Verteidigungssucht des Angeklagten, die selbst maßlos ist. Sie verführt zur Flucht in die massive Gegenanklage, die weder der Klärung noch dem Frieden dient. So erging es uns mit der These von der Kollektivschuld, mit der nichts gebessert, aber soviel verdorben wurde, daß es kaum wiedergutzumachen ist. So war es immer wieder mit den mahnenden Zeigefingern, ob sie nun allzu ungerecht von Siegern gegen Besiegte, allzu lieblos von Deutschen gegen Deutsche erhoben wurden. Manches ist besser geworden seit 1945, aber vieles wirkt weiter, schadet weiter. Und noch am Tage der Paulskirche war es ein Mißklang, als der Dichter Fritz von Unruh aus größer räumlicher Entfernung, aber auch aus beträchtlicher Erlebnisferne heimgekehrt, sein verdammendes "Hinweg!" gegen alle "Mitläufer" schleuderte.